Thank god it’s… Och, doch nur Donnerstag :-(
Ich denke mal jeder kennt diese Tage, in denen man lieber wieder ins Bett zurück gekrochen wäre, kurz nachdem man auf der Arbeit aufgeschlagen ist. Wenn man diese Tage auf Wochen ausdehnen würde, habt ihr einen ungefähren Eindruck wie es bei mir zur Zeit läuft…
SAP,oder in Fachkreisen auch “Scheiß aufs Personal” gennant, ist hier das Zauberwort welches mich jeden Morgen nahezu jubilierend zur Arbeit fahren lässt. Ich denke ohne Sarkasmus wäre ich in letzter Zeit eingegangen
Wie schön die Politik doch von Werbung beeinflusst werden kann… Wir hatten ein ausgezeichnetes Personalinformationssystem, in dem wir unsere Mitarbeiter gepflegt hatten, bis… ja bis irgendwer den tollen Begriff “integratives System” aufgeschnappt hatte und im Rat ohne groß nachzudenken beschlossen wurde, dass dies doch eine feine Sache ist wenn alle Abteilungen nur noch ein Softwareprodukt nutzen müssen. Wenn man nicht an der Umsetzung beteiligt ist und man sich auch keine Gedanken um eben diese machen muss, klingt das natürlich auch super. Anders sieht es für die armen Schweine aus die es umsetzen müssen und da komme ich dann ins Spiel…
In jedem Sachgebiet mussten sogenannte Key-User ernannt werden. SAP-Spezialisten die als Schnittstelle zwischen den Modulbetreuern und den Usern installiert werden, da die Modulbetreuer und normalen User in ihren Bereichen ja quasi Fachidioten sind und man eine Vermittlungsstelle braucht. Noch dazu ist man natürlich auch Multiplikator und musste Schulungen für seine Mitarbeiter durchführen etc…
Eines Morgens stand also auf einmal mein Chef im Büro… Da die restliche Abteilung schon ein wenig in die Jahre gekommen ist und ich quasi eh schon erste Anlaufstelle war bevor man sich in der IT-Abteilung gemeldet hat, fragte er mich ob ich Lust auf dieses Projekt hätte. Klang für mich im ersten Moment super, da ich ungerne “nur” Nutzer bin und auch die Hintergründe kennen möchte. Mittlerweile bin ich mir jedoch fast sicher, dass mein Chef ein Seelensammler des Teufels ist und ich zum damaligen Zeitpunkt meine Seele verkauft habe…
Das “Projekt” ist natürlich auf die normale Arbeit draufgepackt worden. Auch erste Berichte der Beratungsfirma die aussagten, dass dieses Projekt die Keyuser zu 70% komplett binden würde, hatte niemanden dazu veranlasst einmal über eine Umverteilung von Arbeit nachzudenken. Man man man müssen die eine gute Meinung von uns Key-Usern haben was unsere Belastbarkeit angeht.
Nach kurzer Zeit konnte man auch schon sehen, wie Recht die Firma KWP doch da hatte. Dadurch dass Daten übernommen werden müssen und das SAP-System aufgrund der Tatsache dass es nicht nur als Abrechnungsprogramm, sondern auch als Personalinformationssystem von uns genutzt werden soll, musste es nahezu komplett an uns angepasst werden. Prozesse mussten dargestellt werden, Maßnahmen gestrickt, Fehler korrigiert… All dies führte zu stundenlangen Besprechungen, 1,7 Millionen Mails, etlichen Seminaren und dutzenden von Krisensitzungen. Ach ja ein Handbuch sollten wir als Fachkräfte natürlich auch noch schreiben…
Die normale Arbeit die man natürlich auch noch hatte, habe ich in Kategorien aufgeteilt da man Prioritäten setzen musste.
- Stapel 1 ist der “Ach du Scheisse, hab ich vergessen und muss ich unbedingt noch machen”-Haufen der sich im Laufe der Zeit auch gut gemacht hat muss ich sagen, zumindest wenn man dicker werden als “gut gemacht” tituliert.
- Stapel 2 ist der “Dringender Scheiss der brennt”-Stapel der auch zeitnah bearbeitet werden muss.
- Stapel 3 ist mein “Just in time, auch wenn du höchstens noch eine Woche Zeit hast”-Stapel, welcher nach einer Woche momentan einfach in Stapel 2 übergeht.
- Ja und meinen Lieblingsstapel 4 gibts da auch noch welchen ich “Da komm ich vielleicht nächstes Jahr zu”-Stapel genannt habe.
Und so weiß ich jeden Morgen wenn ich aufstehe schon, dass ich gleich erstmal meinen W20 rausholen kann um zu schauen was ich heut so mache, auch wenn ich schon fast sicher weiß, dass ich da eh nicht zu kommen werde, da wieder irgend ein SAP-Kram auf mich warten wird. Freue mich auf jeden Fall schon darauf meine Überstunden die ich gemacht habe abfeiern zu können wenn das Projekt gelaufen ist, was dann irgendwann im Jahre 2027 sein dürfte.
Aber das positive an dieser Situation ist auch zu sehen… Man freut sich über alles positive nach der Arbeit
So kamen mir gestern nachdem ich feststellen durfte, dass meine neue Fr!tzBox (7270) nicht mehr dauernd die DSL-Verbindung verliert (nach Firmware-Update) schon fast die Tränen vor lauter Rührung ![]()
Am 14. Februar 2008 um 09:20 Uhr
Das mit den Stapeln kenne ich. Da gilt dann das LIFO-Prinzip (last in, first out), was aber auch mit der kurzen Aufmerksamkeitspanne zusammenhängen kann, die unsereiner so hat.
Ganz toll wird es, wenn dann die mit “urgent” markierten Mails hinzukommen, mit denen der Sender “gaaaaanz wichtig” implizieren will. Da die zwei Sachen aber nicht identisch sind, hat man dann vier Stapel:
) - erst mal liegen lassen, wenn er nächste Woche nochmal kommt nach oben schieben, ansonsten auf den letzten Stapel, den
- dringend und wichtig: gleich machen
- nicht dringend und wichtig: priorisieren, auf jeden Fall aber nicht erst nächstes Jahr machen
- dringend und nicht wichtig: hier hat sich eine Taktik bewährt, die nach einem früheren Chef benannt ist (aus Urheberrechtsgründen ausgespart
- nicht dringend und nicht wichtig: wtf?
Am 14. Februar 2008 um 09:43 Uhr
Das mit “dringend und nicht wichtig” kenn ich auch sehr gut
Liegt alles im Auge des Betrachters und rückt erst etwas nach oben wenn die Person mich anfängt zu nerven