Wie viel männchlich und weiblich in der Sprache muss sein?
Wir haben uns in Deutschland an die abenteuerlichen Nachwehen der feministischen Sprachkritik gewöhnt, die aus der Kombination von Schreibfaulheit und politischer Korrektheit kommen: die ganzen -Innen-Worte wie ArbeiterInnen oder ÄrztInnen (den Vogel schoß eine Bekannte ab, die aus dem neutralen Wort Mitglied die Mitgliederinnen machen zu müssen glaubte
), die Amtmännin und dergleichen mehr. Da ich häufig mal mehr oder minder öffentlich reden muss, bin ich mir der Thematik zumindest bewusst und versuche so gut es geht damit umzugehen.
Letztens hatte ich einige Vorträge vor skandinavischen Versicherern. Heikel, dachte ich mir, da die Gleichberechtigung in Skandinavien ja doch viel weiter fortgeschritten ist. Der Beweis saß auch im Raum: noch nie sah ich so viele weibliche Vorstände auf einmal (normalerweise sind selbst einfache Führungskräftinnen
die Ausnahme). Ich immer brav mein "he or she" abgeliefert - bis mir die Damen zu verstehen gaben, dass ich das ruhig sein lassen könne, sie wüssten, was gemeint ist, wenn ich nur "he" sage. Und später bei der Abendveranstaltung erfuhr, dass das nicht nur reine Höflichkeit war - es ist schließlich "nur Sprache".
Und die Moral von der Geschicht? Vielleicht geht es den Sprachkritikern der Emanzipation weniger um Gleichberechtigung, sondern mehr um Abgrenzung…?
Am 13. März 2008 um 10:39 Uhr
Interessanter Ansatz
Das Ganze Thema nimmt spätestens mit Einführung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz einen starken Platz in der täglichen Arbeitswelt ein. So saß ich dann auch als Vertretung in einem 2-tägigen Seminar zu dem Thema, mit 20 anderen Männern… War ein Führungskräfteseminar und scheinbar sind wir noch nicht so weit wie Norwegen
Teilweise schlackert man da mit den Ohren, grade wenn man dann auch noch Vergleiche aus den USA hört, dem Land der unbegrenzten Klagemöglichkeiten.
In der täglichen Praxis nervt dieses Thema ungemein… Schreiben und Informationsblätter werden ungemein aufgeplustert und der Lesefluss gestört… Wenn in einem Satz mehrere Male ein Versorgungsempfänger aufgetaucht ist, wird nun Versorgungsempfänger/Versorgungsempfängerinnen draus… Dem Leser ist das vollkommen schnuppe, aber es ist nunmal Gesetz…
Ich frage mich: Warum das pochen auf bestimmte Ausdrucksformen? Ist nicht eigentlich der Inhalt einer Aussage das worauf es ankommt?
Ich würde mir wünschen, dass man keine männliche oder weibliche Form hätte… Ähnlich wie im englischen nicht zwischen “du” und “sie” unterschieden wird, würde dies in meinen Augen viel mehr zur Gleichberechtigung und lockerem Umgang miteinander beitragen, als ein Hervorheben, dass man anders ist. Aber vielleicht wollen die Vorreiter der Emanzipation ja garnicht als gleich angesehen werden, vielleicht sind sie ja etwas besseres?!
Am 18. März 2008 um 11:03 Uhr
männCHlich?
Am 21. März 2008 um 13:22 Uhr
Zu Marcos letztem Satz, ich glaube nicht, dass die Vorreiter der Emanzipation eine Abgrenzung beabsichtigten oder dachten sie seien etwas besseres, da die Gründung dieser Gruppierung zu der damaligen Zeit nicht ganz unbegründet war. Allerdings hat sich das in den Jahren danach dahin entwickelt, da muss ich dir Recht geben, Marco. Ich bin ansonsten der gleichen Meinung wie ihr, Marco und Crishi, das eine Abgrenzung auf jeden Fall stattgefunden hat und noch weiterhin stattfindet. Selbst ich als Frau musste leider schon oft feststellen, dass diese weibliche Emanzipation zu oft in männliche Diskriminierung ausartet und genau das wollten die Gründer damals für die Frauen bekämpfen. Ironie des Schicksals oder wirkliche Absicht, sich bewusst abgrenzen zu wollen?!?
Zur Verteidigung der heutigen weiblichen Gesellschaft (wir) kann man aber sagen,dass sich in einigen Köpfen der Menchen dieser Gedanke der Abgrenzung nicht festgesetzt hat, siehe die Damen die auf ihr “she” gern verzichten.