..Ich bin ein Berliner..

..sagte schon John F. Kennedy.

Das darf ich nun auch von mir behaupten. Auf meinem Ausweis pappt nun ein kleiner Aufkleber mit neuer Anschrift, neuer Stadt, neuem Leben, welcher nur unter Anstrengungen dort hinfand. Meine erste Amtshandlung in Berlin wurde von einer fürchterlich netten, sympathischen Beamtin nahe dem Rentenalter ausgebremst. “Ausfüllen!”brummt es liebevoll von der anderen Schreibtischseite zu mir herüber. ..Ja natürlich..ausfüllen..jawohl..aye! Und ich hätte da noch gerne einen Zweitwohns…”AUSFÜLLEN” *klatsch* Gelber Antrag vor meiner Nase. Hmm ja auch der wird ordnungsgemäß ausgefüllt. “Geburtsurkunde!” Ja wie jetzt? Ich hab eine ganz klar aber…? “Brauchense nur für Dokumente, jetzt nicht, GLÜCK GEHABT” aaaaaaaaaaaah uns ist wohl nach Spässchen, Ha ha.

Nach gefühlten 5 Stunden, es war eigentlich nur eine, lasse ich meine nette Sachbearbeiterin mit ihrem Ostfriesentee allein und gehe meine Wege, die mich, wie solls auch anders sein an einem 1-Euro-Laden vorbei führen. NA was solls, pleite bis aufs letzte, aber als Berliner muss ich ja meine Pflicht tun und die Berliner Wirtschaft ankurbeln. Ergebis: ich bin nun ein Berliner mit 2 neuen Müsli-Schüsseln und einem Kuchenteigausschaber (wie auch immer der Küchenfachbegriff dazu lauten mag).

So, was nun. Ich brauche Arbeit, ganz klar. Also stürze ich mich voller Elan auf die Kleinanzeigen im Internet und finde eine Internetfirma am Potsdamer Platz. Sie suchen neue Mitarbeiter für Ihre Hotline. Naja Telefontussi muss ja nichts schlechtes sein, also rief ich an. Sehr netter Mann am Telefon, machte mir sofort Hoffnungen, versprach Aufsteigschancen, gab mir einen Vorstellungstermin. Na das war ja schonmal einfach. Am besagten Termin finde ich mich dann mit 9 andern Bewerbern in der Firma ein. Nette Vorstellung der Firma, erklären der Aufgaben, Kunden die Ihr Einverständnis gaben anrufen und für die hauseigenen Tarife freischalten. Ja das klingt doch gar nicht so verkehrt. Also melde ich mich zur Schulung und zum Probearbeiten an. In der Schulung werden Tarife besprochen und der Gesprächsleitfaden wird gemeinsam durchgegangen. Meine erste Frage: Bekommen die Kunden bei diesem Leitfaden auch eine Chance Nein zu sagen? Antwort der ziemlich unsympathischen Schulungsleiterin: Nein, die WOLLEN doch, dass wir sie anrufen. Aso, naja leuchtet dann ja ein. Etwas später kommt der Datenschutzbeauftragte des Unternehmens hinzu, erklärt die üblichen Vorgehensweisen im Ungang mit vertraulic…*schnarch* und kommt etwas später dann zu den “Einwilligungen” der Kunden. Diese wurden allerdings nicht bewusst (so wie von Miss Sympathie erklärt) sondern eher unterbewusst durch igendein Häkchen an der falschen Stelle im Internet gegeben.

AHJA so ist das also…Naja aus der Telefontraining Sache kam ich nun nicht mehr raus. Nun standen also 2 Stunden üben am lebenden Objekt auf dem Programm. Ich halte mich immer fein an den Gesprächsleitfaden aber leider hatte ich da die Rechnung ohne die erbosten Telefonpartner gemacht. Vom einfachen “Kein Interesse” *klack* aufgelegt, über “möchte keine solchen Anrufe mehr!” bis hin zum drohen mit dem Anwalt war alles dabei. Leider auch ein Jahrgang ´41 Opa, der mir die Geschichte mit ganz toll und ganz billig abkaufte. Nach einigem Hin und Her kam ich dann zum angestrebten Tonbandmitschnitt auf dem Opa erklärte, dass er das Produkt kaufen will. Juhu, der arme Mann kann nun telefonieren, für sensationelle 34,99 im Monat. Was ein Schnäppchen……Tut mir leid Opa.

Schon beim verlassen der Firma plagte mich ein unendlich schlechtes Gewissen und ich war den Tränen nahe. (Das mit dem heulen muss ich noch in den Griff kriegen, wer sogar bei Gold für die deutsche Dressurmannschaft heult kann nich ganz bei sich sein, aber das ist ne andre Geschichte…) Nach Rücksprache mit der Familie stand also schon kurz nach dem verlassen der Firma fest: Ich kanns nicht. Ich bin ein Weichei und nicht kaltschnäuzig genug um noch mehr Opas auf dem Gewissen zu haben. Gesagt, getan, am nächsten Tag geh ich hin und unterschreibe meinen Aufhebungsvertrag.

Einziger Lichtblick: die Mitschülerin einer Freundin aus Hessen saß, wie sich später heraus stellte auch mit in besagter Schulung (..Kam mir doch gleich so bekannt vor..) und mit Freude hörte ich 2 Tage später, dass auch sie wieder gekündigt hat, weil sie keine Leute verarschen kann :-)
Ende vom Lied: Ich weiß dass ich nicht die Einzige bin und bin nun um eine Lebenserfahrung reicher ( (c) Marco) ;-)

So…vielmehr gibt´s aus meinem Berliner Leben nun auch schon nicht mehr zu berichten. Gut, wir hatten eine super gelungene Einweihungsfeier. Vielen Dank noch einmal an dieser Stelle für den ekelhaften Gestank am Morgen, die versaute Küche und das viele Altglas….nein Spass bei Seite, DANKE allen für das wunderschöne Wochenende, die zahlreichen Mitbringsel und die gute Laune, mit der ihr unsere Wohung gebührend eingeweiht habt :-)

Mehr werd´ich dazu gar nicht schreiben, die meisten die das lesen waren dabei, Bilder gibts bei Marco im VZ zu betrachten und somit verabschiede ich mich an dieser Stelle!

Liebste Grüße aus der Hauptstadt.

Eine Reaktion zu “..Ich bin ein Berliner..”

  1. Alex

    Willkommen in Berlin ;o

    Albumlink: http://www.meinvz.net/PhotoAlbums/Album/20be782d519c06ad#/Album/20be782d519c06ad

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